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 Erstauflage!

Inhalt und Sprache sind einzigartig!

Platon

Philosoph und Weltenlehrer

Band II

von

Franz Spunda

Roman

Edition Pleroma

ISBN 978-3-939647-12-6

328 Seiten, Hardcover, € 22,00

Über den Autor:

Dr. Franz Spunda (1890-1963) gehört mit Gustav Meyrink, Karl Hans Strobl, Alfred Kubin und Leo Perutz zu der Gruppe österreichischer Schriftsteller, die seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ihre Leser bis zum heutigen Tage mit mystischen und fantastischen Romanen begeistern.


Platon, Philosoph und Weltenlehrer, Band II

Frühe Kirchenlehrer wie Augustinus und abendländische Mystiker wie Tommaso Campanella oder Francis Bacon nahmen Maß an der von Platon verfassten Politeia und verkündeten eine Civitas Dei, einen Idealstaat, in dem Mensch und Gott in Brüderlichkeit zusammen wirken. Solch ein utopischer Staat kann zwar nicht in der sichtbaren Form begründet werden, findet aber eine Gleichsetzung mit dem letzten Ziel menschlicher Größe, dem Ankommen im Neuen Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes und rückt für einen kultisch Initiierten in die Erreichbarkeit auf rein geistiger Ebene. Deshalb blieben Platons Werke unsterblich und spenden ihren Segen bis in die Gegenwart hinein.

Der Leser durfte im ersten Band miterleben, wie sich Platon als Eingeweihter in ägyptische Mysterien in die Kette der Weisheitslehrer einreiht und einem gesunden religiösen Weltbild Gestalt verleiht. Im zweiten Band findet einerseits Platons beachtliche Schaffensperiode von Menon und Phaidon bis Nomoi ihre Darstellung; andererseits spricht ihn das Schicksal aber nicht frei von der Bedrängnis des Erdenlebens. Gleich zwei Generationen von Herrschern mit dem selben Namen Dionysios konfrontieren Platon in geradezu empörender Weise mit menschlicher Unzulänglichkeit und unerlösten Machtansprüchen. Dies lässt die Sehnsucht des Himmelstürmers nach der Realisierung des von ihm erdachten philosophisch geordneten Staates übermächtig werden. Er gründet die Akademie in der Hoffnung, seine Ideenlehre könne die Menschheit verändern. Doch gegen Ende seines Lebens weiß Platon um die Unmöglichkeit, seinen Traum mit politischen Mitteln zu manifestieren, und er verlegt seinen Gottesstaat hinter gut geschützte Tore der Einweihung – wo sie insgeheim bis heute zu überleben vermochten.



Leseprobe: Ausschnitt aus Band II, drittes Buch:


»Wenn nun das Schöne und Gute und solche Wesenheiten, auf die wir unsere Wahrnehmung beziehen und die wir wiederfinden als unseren Besitz, wirklich sind, dann muss – im Vergleich zu jenen – notwendigerweise auch unsere Seele bereits vor der Geburt da sein.«

Reicht aber diese Beweisführung wirklich aus, alle Zweifel an dem Weiterleben der Seele nach dem Tod zu beseitigen? Kebes macht den Einwand, dass das bewiesene vorgeburtliche Dasein der Seele keinen logisch zwingenden Schluss auf ihr Weiterleben zulässt. Sie könne trotzdem mit dem Tod wie von einem Wind verweht werden. Die Angst jeglicher Kreatur vor seinem Ende spricht aus seinen Worten. Hört, wie Sokrates sie bannt und beschwört! Er knüpft an die Lehren der Naturphilosophen an und fragt, ob die Seele zu den einfachen oder zu den zusammengesetzten Dingen gehöre.

»Das Einfache nun kann gar nicht aufgelöst werden. Daher muss die Seele als solche unauflösbar sein.«

Sokrates kennt keine Angst vor dem Tod; noch an seiner Schwelle preist er das Glück des philosophischen Lebens. Daher heißt bei ihm das eigentliche Thema: Der Mensch hat Anteil am ewigen Leben, wenn er die ewigen Urbilder, die Idee, betrachtet.

»Wenn er sie durch sich selber schaut, dann bricht die Seele auf zu dem Reinen und immer Seienden, dem Unsterblichen und gleich sich Verhaltenden, und weil sie mit ihm verwandt ist, hält sie sich immer an ihn. Dann hat sie ihre Ruhe gefunden vor dem Schweifen; und im Verhältnis zu jenen Dingen verhält sie sich immer auf die gleiche Weise, weil sie solche berührt. Dieser Zustand heißt Phronesis.«

Das Auge des Sehers ist abgewandt von der Todesnot, die mehr seine Freunde als ihn selbst bedroht. Alles an ihm ist hingezogen zu einer schönen Durchseelung der Welt. Der Anblick des Ewigen lässt ihn die Dinge der Körperwelt vergessen. Denn das Reich der Seele ist nicht begriffliches Denken, sondern die Schau des Göttlichen. Die vom Körper befreite Seele steigt sogleich gereinigt zu diesem empor, während die an ihre Begierden gefesselte sich von ihrem bisherigen Sitz, dem Körper, nicht lösen kann. Sie bleibt körperhaft, schwer, ein trübes Nachtgespenst, das um die Gräber schleicht. Ihr Gesetz verlangt wieder nach Körperlichem. Die philosophischen Seelen kehren zu ihrem göttlichen Ursprung zurück. Ein Hymnos ist es geworden statt eines philosophischen Beweises. Phaidon bemerkt dazu:

»Als Sokrates gesprochen hatte, trat eine lange feierliche Stelle ein. Er war noch ganz in das Gesagte versunken, wie man ihm ansah.« Herrlich strahlt der Sinn daraus hervor:

Wer im Geist gelebt hat,

bedarf keines Jenseitstrostes,

er trägt das Jenseits schon

in seinem Erdenwandel mit sich.

Wer in Gott gelebt hat,

kann auch im Tod nicht

von Ihm geschieden sein.


Trotz aller Ergriffenheit bleibt in dem Zweifler Simmias noch ein Rest Kleingläubigkeit, aber er trägt Scheu, seine Bedenken zu äußern, um den Tod des Meisters nicht zu entweihen. Doch Sokrates ist über Zweifel und Angst hinaus, alles an ihm ist leicht wie der Gesang eines sterbenden Schwanes geworden.

»Ich glaube, ein Dienstgenosse der Schwäne zu sein, heilig demselben Gott, auch wähne ich, eine nicht geringere Sehergabe vom Herrscher empfangen zu haben und ebenso wohlgemut aus dem Leben zu scheiden.«

In dieser wahrlich göttlichen Zuversicht kann kein Feind und kein Zweifel an ihn heran. Er fordert Simmias auf, ohne Scheu seine Einwände zu äußern, wenn ihm solche auf dem Herzen brennen. Dadurch ermutigt, bringt der Freund aus Thebai einen Vergleich vor, der in der Tat die Zuhörer in Unruhe versetzt. Er vergleicht den Leib mit einer Leier und die Seele mit dem Wohlklang, der ihr entquillt, der ebenso wie diese schön, göttlich, unkörperlich und unsichtbar ist. Wenn nun das Instrument zerschlagen wird, dann ist auch seine Harmonie dahin.(...)




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