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Inhalt und Sprache sind einzigartig!

Platon

Jugend und Wanderjahre

Band I

von

Franz Spunda

Roman

Edition Pleroma

ISBN 978-3-939647-11-9

352 Seiten, Hardcover, € 22,00


Über den Autor:

Dr. Franz Spunda (1890-1963) gehört mit Gustav Meyrink, Karl Hans Strobl, Alfred Kubin und Leo Perutz zu der Gruppe österreichischer Schriftsteller, die seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ihre Leser bis zum heutigen Tage mit mystischen und fantastischen Romanen begeistern.


Platon, Jugend und Wanderjahre, Band I

Dieser biografische Roman über den antiken Philosophen Platon (428-348 v. Chr.) wurde zu Lebzeiten des Verfassers nicht aufgelegt und ruhte jahrzehntelang in einem Archiv. Der bewundernswerte Mut von Franz Spunda, Platons Werke zunächst gründlich zu studieren und sie nach einer spannenden Lebenslegende zu befragen, ist derart einzigartig, dass dieses umfangreiche Buch in zwei Bänden in einer problematischen Gegenwart erscheint, in der es notwendig geworden ist, wieder vehement an das platonische Weltbild zu erinnern. Moderne Philosophen verlassen den Radius diesseitiger Belange kaum, fehlt ihnen doch inzwischen jene kultische Weihe, die dem Philosophen Platon den durchdringenden Blick für die unsichtbare Wahrheit hinter der Realität zuteil werden ließ. Im Gegensatz zu seinem Schüler Aristoteles verleiht Platon der Seele Flügel. Er verbannt das Sein nicht in die Kerker zwischenmenschlicher Vernunft, wo man meint, das Glück ausschließlich im Erdenstaub finden zu können, sondern erhebt das menschliche Bewusstsein in die überirdische Ideenwelt.

Im ersten Band leben die Eindrücke aus Platons Jugend auf, vor allem seine Berührungen mit der bahnbrechenden Philosophie des Sokrates treten zu Tage. Platon erlebt Verurteilung und Tod von Sokrates mit und bewahrt die Erkenntnishöhe dieses Meisters ein Leben lang in seinen Schriften. Er reist auch nach Ägypten und erfährt eine Führung durch die Amenti-Mysterien. Dem initiierten Platon erschließt sich jenes Phänomen, das wir heute Trance nennen und das zur damaligen Zeit Tempelschlaf genannt wurde. Er befindet sich in einem leeren Raum und sein Mystagoge rät ihm, tief zu atmen und in Räumen zu denken. So wird Platons Einbildungskraft gelenkt und erzeugt innere Bilder, in denen sich tiefere Schichten seiner unsterblichen Seele offenbaren.




Leseprobe: Ausschnitt aus Band I, zweites Buch:


Als Platon in Begleitung von Ti zum ersten Mal einen Tempel aufsuchte, staunte er über die übermenschlichen Maße. Die Säulen schienen ins Unendliche zu steigen; nach oben gingen sie in flächige Blätter auseinander. Die Wände der Vorhallen waren über und über mit heiligen Zeichen bedeckt, die Decke glich dem blauen Himmelsgewölbe mit seinen Gestirnen. Andere Wände waren mit farbigen Bildern geschmückt. Um den Fremden nicht zu verwirren beschränkte sich Ti darauf, die sechs Hauptgötter aus der Bilderwand herauszulösen und ihm ihre Beziehungen zu den anderen Darstellungen zu erklären. Für diesen Lehrzweck eignete sich am besten der Ammontempel aus der Zeit des großen Sesostris.

»Was hundert Bücher nicht klar machen können, wird durch diese Bilder anschaulich gestaltet: das Unsägliche, das über das Wort hinaus geht«, erklärte Ti. »Sieh dort die stehende Isis, der einer Dienerin einen Lotos wie zum Riechen hinreicht; dies symbolisiert eine Seele, die durch Anmut aufsteigen will. Sieh dort eine andere, die sich als Fuchs einschleichen will, doch gleich wird von oben der Falke auf ihn herabstoßen. Dort spreizt Ammon nur einen Finger aus, und schon weiß man, dass die vor ihm kniende Seele, die einen Geldbeutel hält, von ihm abgelehnt werden wird. Du musst auf jede Kleinigkeit achten, denn gerade in ihnen ist der eigentliche Sinn enthalten.«

Meist ging die tiefere Bedeutung eines Bildes dem Beschauer erst nach mehrmaligem Betrachten auf. So ist es verständlich, dass Platon oft halbe Tage vor einer Bilderwand sinnend verbrachte. Bei einigen Gemälden versagte die Weisheit Tis. Um seinen Gast in die Geheimnisse der Lehre von Osiris und Isis richtig einzuweihen, brachte er zu den abendlichen Gesprächen einen Freund, den obersten Reinigungspriester vom Isistempel aus dem benachbarten Memphis mit, Kem-Ahmse, der in Ephesos die ionische Sprache erlernt hatte.

»Bevor du dieses Mysterion richtig erfassen kannst, ist ein Besuch der Königsgräber notwendig«, erklärte dieser. »Die Kenntnis der Pyramiden ist der Schlüssel zum Verständnis Kems.«

Nachdem er eine besondere Erlaubnis für das Betreten dieser Heiligtümer erwirkt hatte, ritten sie mit staatlichem Gefolge zunächst nach Memphis, wo sich ihnen ein besonders mit dem Totenkult vertrauter Priester anschloss.

Sie setzten über den Strom unterhalb der Stadt. Kaum hatte das Boot die Mitte des Stroms erreicht, so stieg auf der anderen Seite über dem Palmenwald ein steinernes Dreieck auf, die große Pyramide des Königs Chaufu, der von den Hellenen Cheops genannt wurde. Es war den Aigyptern nicht leicht, dem Fremden den geheimen Sinn des Totenkults klarzulegen. Für Sokrates war es gleichgültig gewesen, was mit seiner Leiche geschah. Doch jetzt wurde Platon belehrt: Der Leib bildet eine innige, fast unzerreißbare Gemeinschaft mit der Seele; daher ist das Schicksal der Seele im Jenseits von der Erhaltung des Körpers abhängig. Das erklärt das Bestreben der Aigypter, die Leiche vor Verwesung zu schützen und ihr ein unzerstörbares Grabhaus zu erbauen. Hunderte von Fragen brannten auf Platons Lippen, doch die Begleiter beschwichtigten seine Wissbegier:

»Warte, bis du gesehen hast, dann wird dir mit einem Mal alles klar sein.«

Als sie die Barke verließen, sahen sie in der Ferne nahe bei der Pyramide ein königliches Haupt auf einem riesigen Löwenleib. »Der Sphynx«, sagte Ti. Im Näherkommen wuchs das göttliche Ungeheuer zu beängstigender Majestät empor. Aber nicht zu ihm, sondern zu der Pyramide ging der Ritt auf einer Gräberstraße, die mit ruhenden Löwen aus schwarzem Granit gesäumt war, zwischen denen junge Palmenschösslinge ihre Wedel reckten. Nun stand der von Menschenhand getürmte Dreieckbau vor ihnen. Seine ungeheure Wucht verschlug dem Fremden den Atem. (...)



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