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Dominique Viseux

Du lebst auch
im Jenseits

Das Leben nach dem Tod
in den großen Kulturen

Aus dem Französischen
von Clemens Wilhelm



Edition Pleroma
 
 ISBN 978-3-939647-25-6 
232 Seiten,
Hardcover, 12x19
€ 22,00

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Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes!

In diesem Zitat formuliert der Volksmund das Mysterium von Leben und Tod. Tatsächlich vollziehen sich an der Grenzscheide von hüben und drüben prinzipiell dieselben Prozesse wie in Schlummer, Traumphase und Tiefschlaf. In literarischer Präzision stellt Dominique Viseux westliche und östliche Jenseitserwartungen nebeneinander und führt durch Taufmysterien, Bestattungsrituale, Fegefeuer, Gericht, Wiedergeburt. In einem tiefsinnigen Resümee offenbart er, dass die formalen Unterschiede durch individuelle Deutungen desselben Vorgangs entstanden sind. Dieses Buch wühlt die Gemüter seiner Leser zunächst auf, versorgt aber dann mit einem geistigen Band, das den jeweils wesentlichen Kern der Kulturen miteinander verbindet. Die uralte Empfehlung, die Seele schon im Diesseits auf das Jenseits vorzubereiten, erlangt ihre Bedeutung zurück.


Über den Autor:
Dominique Viseux, geb. 1951 in Boulogne sur mer, lebt in der Picardie und in der Champagne. In Amiens hat er als Professor für Bildende und Angewandte Kunst unterrichtet und praktiziert. Er ist Publizist für religionswissenschaftliche Themen, vor allem im Hinblick auf Symbolik, Kunst, Quellenforschung und Einweihungsritus. Er veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Monographien, in denen er sich, unter an­derem am Beispiel des Artus-Stoffes und an indo-europäi­schen Legenden, wissenschaftlich-essayistisch mit Liebe, Tod und der Apokalypse des Johannes auseinandersetzt. Seine Veröffentlichungen umfassen bislang Romane, Essays, Theaterstücke und Novellensammlungen. Neben seinem Interesse für die mythische Bilderwelt und die Geschichte der Kulturen widmet er sich der Malerei und der Bildhauerei sowie den Studien der Symbolik in der Kunst.

 

Vorwort

 

Leben um jeden Preis! - So lautet die moderne Devise. Das menschliche Bewusstsein reduziert sich heutzutage auf die materielle Weltsicht und folgt vornehmlich den Erfordernissen der Körperlichkeit. Unzählige Menschen verzichten auf ein gemeinsames geistiges Band, das sie mit dem kulturellen Kern der Jahrtausende verbinden könnte, ohne diesen Verlust als schmerzlich zu empfinden. Auch die zeitgenössische Philosophie beschränkt sich darauf, intellektuelle Werte zu pflegen, die keinerlei Anspruch auf die Erhebung der Seele aus dem Erdenstaub verfolgen, wie es das philosophische Erbe der Antike gebieten würde. Sogar die Psychologie ordnet sich naturwissenschaftlichen Erklärungen unter und verwirft den Segen von Mythologie und Religion, da sie darin lediglich eine Ansammlung neurotischer Manifestationen vermutet. Wer davon überzeugt ist, dass Religion keinen höheren Sinn eröffnet, weigert sich natürlich auch, das irdische Dasein um die Option einer erfahrbaren Jenseitskunde zu ergänzen. Obgleich es das Vorrecht der Intelligenz wäre, die körperlose Ewigkeit als einzige polare Vollendung manifestierter Zeitlichkeit in Betracht zu ziehen. In früheren Zeiträumen waren es die namhaften Totenbücher, die der Seele bereits im Diesseits Unterweisungen schenkten, damit sie sich im Jenseits zu prüfen verstand. Das Jenseits kennt keine festen Formen, aber die Seele gelangt im Vorgang des Sterbens in ein Zwischenreich, in dem sie mit der Fähigkeit der Imagination ausgestattet ist. Hier erbaut sie sich selbst Räume aus inneren Bildern, die ihrem Entwicklungsgrad entsprechen. Die bereits zu Lebzeiten erlernte Kunst, ihren tatsächlichen Zustand anhand ihrer eigenen Fiktionen zu erkennen, ermöglicht der Seele erprobte zeremonielle Richtungen einzuschlagen, die ihre Befähigung fördern, sich einen unsterblichen Leib, den sogenannten Diamantleib für die Ewigkeit zu erschaffen. Dieser Prozess heißt im Christentum Auferstehung. Er ist maßgebend für die Vereinigung mit dem höchstmöglichen Seinsprinzip, das in den Religionen Gott oder All-Geist genannt wird. Ich und der Vater sind Eins – dieses Jesuswort knüpft an die Verschmelzung mit der Gottheit an. Die verschiedenen tradierten Unterweisungen über das Jenseits sind sich dahingehend einig, dass nach dem Sterben keine Möglichkeit mehr besteht, an der Erhabenheit der Seele zu arbeiten, wenn dies nicht schon im Diesseits vorbereitet wurde. Deshalb besteht aus religiöser Sicht die Pflicht, schon im irdischen Leben die Besonderheit jenseitiger Verhältnisse zu verinnerlichen. Wer freilich noch nicht einmal daran glaubt, eine jenseitige Existenz führen zu können, wird im Reich seiner inneren Bilder auch nichts vorfinden, das die Seele im Zwischenreich noch imaginieren könnte, wenn die Gehirntätigkeit langsam erlischt. In einem solchen Fall löst sich die zu Lebzeiten erwirkte Individualität bereits im Vorfeld zum Jenseits auf, und die Seele verschmilzt mit einer Gruppenseele, zu der sie in Resonanz schwingt. Aus dieser werden sich Anteile lösen und reinkarnieren, um wiederum eine Individuation in der Hoffnung anzustreben, dieses Vorhaben diesmal besser zu meistern. In solchen Vorstellungen haben sich die Vorgänge in den Jenseitskunden der Kulturen überliefert. Es bleibt dem Erdenbürger selbst überlassen, ob er den Empfehlungen einer diesseitigen Vorwegnahme des Jenseitsgeschehens folgt oder solche Gedanken als unzutreffend verwirft. Die folgenden Zitate geben hierüber Aufschluss und finden sich sinngemäß ebenso im Tibetanischen und Ägyptischen Totenbuch wieder.

 
Wir müssen die Werke dessen vollbringen,
der mich gesandt hat,
solange es Tag ist; es kommt die Nacht,
da niemand zu wirken vermag.

(Joh 9,4)

 

Tue alles, was Deine Hand
mit Hilfe Deiner Kraft zu tun vermag,
denn im Grab, in das Du gehst,
gibt es kein Wirken,
keine Vernunft, keine Weisheit
und keine Wissenschaft.

(Sohar I.196b)

  

Mögen diese Hinweise ausreichen, den Leser und die Leserin zu motivieren, die sechs überlieferten Kultgeschehen, die der Autor Dominique Viseux in hervorragender Weise nebeneinander stellt, mit der Weisheit ihrer Seelen zu betrachten. Vielleicht eröffnen sich nach der Lektüre besondere Wege, auf denen die Seele heimfindet zu den Herdfeuern der Mysterien.

 

Gabriele Quinque,

Frankfurt am Main, 2014


Anmerkung des Verlages für den Leser:

Im Buch weisen die Zahlen in den Klammern bei dem Ägyptischen Totenbuch auf die Bezifferung der Sprüche hin. In der Pistis Sophia und im Bardo Thödol beziehen sie sich auf die Seiten der französischen Ausgaben, die der Autor zugrunde legte. Im Sohar, im Vedanta und den platonischen Mythen handelt es sich um die offiziellen Numerierungen innerhalb der Werke.

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