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Dritte Ausgabe:


Gerhard Wehr

Heilige
Hochzeit

Symbol und Erfahrung menschlicher Reifung


Edition Pleroma


ISBN 978-3-939647-05-8
Hardcover, 15,5x22
einige Abbildungen
244 Seiten, € 28,00


Auch als E-Book erhältlich!

 

Das Mysterium coniunctionis ist die Angelegenheit des Menschen. Er ist der Nymphagogos (Brautführer) der himmlischen Hochzeit. Wie kann sich ein Mensch von diesem Geschehen distanzieren?

C. G. Jung an Erich Neumann (1952)

 

Die Heilige Hochzeit weht als überirdischer Duft aus der Antike in unsere Zeit herüber. Ob man die Unio Mystica im alten Ägypten, dem hellenistischen Eleusis, in der Alchemie oder im Gedankengut der Rosenkreuzer in seinem Herzen bewegt, als letztes Geheimnis aller Mysterienkulte krönt die Vereinigung der Gegensätze alle Bemühungen um Erkenntnis und Weisheit. Sol und Luna, Mann und Frau, Anima und Animus, diese zwei Seiten einer Münze sind Ausdruck irdischer Dualität, die an der Schwelle des höchsten Himmelstores miteinander verschmelzen. Gerhard Wehr gelingt es mit diesem Werk, den Hieros Gamos als Akt initiatischer Lichterhebung aus den Schleiern der Mysterien hervortreten zu lassen. Im Anblick dieser Herrlichkeit beschleicht den Leser eine Ahnung, was es bedeuten könnte, die legendäre Vereinigung von Sol und Luna in der irdischen Partnerschaft von Mann und Frau beginnen zu lassen. Allein durch die Ausdehnung der erotischen Liebe auf seelische Tiefe und geistige Höhe wird höchstes Herzensglück erfahrbar. Erst die Lieblichkeit wahrer Minne, welche Eros, Philia und Agape in harmonischer Eintracht zu leben vermag, führt in das Wiederentdecken der Einheit als wahre Heimat der menschlichen Seele.

 

 

Über den Autor

Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr lebt als freier Schriftsteller in Schwarzenbruck bei Nürnberg. Nach langjähriger Tätigkeit auf verschiedenen Feldern der Diakonie war er 1970 bis 1990 Lehrbeauftragter an der Diakonenschule (Fachakademie für Sozialpädagogik) Rummelsberg/Nürnberg. Von ihm liegen zahlreiche Studien zur neueren Geistesgeschichte vor, darunter Biographien über Martin Buber, C.G. Jung, Rudolf Steiner, Graf Dürckheim, Jean Gebser, Helena P. Blavatsky. Er ist Herausgeber zahlreicher Quellenwerke zur deutschen Mystik. Ein Großteil seiner Werke ist in mehrere europäische und asiatische Sprachen übersetzt.

 

Leseprobe:

 

 

 

Angesichts des Themas

Unseren Besorgnissen und Ängsten stehen große Sehnsüchte gegenüber, ausgesprochene und unaussprechliche. Nicht nur was die Zukunft bringen mag, beunruhigt die Menschen auf der Schwelle zum dritten Jahrtausend, sondern was bereits gegenwärtige Tatsache geworden ist. Dafür bedarf es keiner besonderen aktuellen Belege. Sie sind im übrigen der jeweiligen Tageszeitung in vielfältiger Abwandlung zu entnehmen. Was nun das Angstmachende, das Besorgniserregende anlangt, so ist nicht allein auf die äußeren Fakten zu verweisen. Sorge und Sehnsucht wurzeln in der menschlichen Existenz, in der Seele des Menschen. In jedem einzelnen werden sie erlebt und erlitten.

Nehmen wir einen Aspekt heraus, der in diesem Buch von verschiedenen Seiten her betrachtet werden soll: Was schmerzt mehr als das Wissen, vereinsamt und seelisch zerrissen, unvollständig, selbstentfremdet zu sein? Was wird mehr ersehnt als die Überwindung dieses Zwiespalts, nämlich in der Harmonie des Miteinanderseins, im Heilwerden von Ich und Du, in der glückhaften Vereinigung des Getrennten? Diese »selige Sehnsucht« ist Menschheitshoffnung und individueller Traum in einem. Selbst in der trivialen Idee vom »Traummann« bzw. von der »Traumfrau« schwingt noch ein schwacher Nachhall dieses Sehnens mit. Dass die zwei einander »kriegen« mögen, ist Thema und immer wieder abgewandelter Stoff für Sänger und Erzähler, für Dichter und Dramatiker aller Zeiten. Hochzeit bezeichnet das Leit- und Zielbild dieser Überwindung der Vereinsamung, auch der Aufhebung des inneren Zwiespalts. Von der Hochzeit mit der unerreichbar scheinenden, jedoch vom Schicksal vorbestimmten Braut träumt der verwunschene Prinz im Märchen. Und was sind die Märchen anderes als Zauberspiegel, in denen sich unser eigenes Suchen und Sehnen widerspiegelt, erhellt und illustriert durch urtümliche Bilder und Symbole? An keine Zeit oder Region gebunden, vermögen Mythen und Märchen mit erstaunlicher Unmittelbarkeit zu uns zu sprechen. Es ist, als bestehe ein heimlicher Kontakt zwischen den Gestalten und Wesenheiten dieser Mythen und unserer Seelentiefe. Gemeint ist jener Bereich unseres Unbewussten, der über unsere persönlichen Erlebnisse hinausreicht, also auch über das Vergessene oder Verdrängte. Immer wieder stellen sich Träume ein, die dies belegen, indem sie durch die rätselhaften Vorgänge oder Begebenheiten, in die wir dabei verwickelt werden, auf die weitgehend vernachlässigte transpersonale Dimension seelischer Wirklichkeit aufmerksam machen, um sie unserem Bewusstsein anzunähern. Die Tiefenpsychologie ist damit beschäftigt, die Symbolsprache der Träume wie auch der Mythen zu entschlüsseln, um die darin enthaltene Botschaft individuell verständlich und akzeptabel zu machen, so dass eine qualitative Bewusstseinserweiterung entstehen kann. Seelisches Wachstum, Persönlichkeitsreifung und Vervollständigung des Menschen wird dadurch gefördert. So liegt es nahe, das Symbol der Hochzeit als Ausdruck für diese Ganzwerdung zu verstehen. Polar Entgegengesetztes findet zueinander: Männliches und Weibliches, Lichtes und Dunkles, Inneres und Äußeres...

Um sich über sinnhaltige, sinnstiftende Zeichen im heutigen Leben klar zu werden, kann es hilfreich sein, die Geschichte zu befragen und in unserer geistig-religiösen Tradition Umschau zu halten. Hier ist der Ort, der die Wahrbilder, Sinnzeichen und Symbole birgt, die zusammen mit den Hervorbringungen des überpersönlich-kollektiven Unbewussten des einzelnen immer wieder spontan bedeutsam werden können. Das Symbol der Heiligen Hochzeit stellt eine Chiffre dar, eine Hieroglyphe, die der individuellen Aufschlüsselung bedarf, auch wenn damit ein sehr spezielles, um nicht zu sagen: ein abgelegenes Thema der Religions- und Geistesgeschichte angeschlagen wird. Auf den ersten Blick scheint die Distanz zu heutigen Fragestellungen erheblich zu sein. Gegenwartsbezüge lassen sich zunächst nur schwer herstellen. Auch ist nicht zu leugnen, dass es der Zusammenarbeit verschiedener Forschungsrichtungen bedarf, um die Fülle des vorliegenden Materials an Formen und Motiven überblicken zu können. Und doch beschränkt sich das zentrale Motiv der Heiligen Hochzeit bei weitem nicht allein auf religionshistorische, auf mythen- und mysteriengeschichtliche Fakten. Stets ist der erlebende, im Prozess geistig-seelischer Reifung befindliche Mensch mit im Spiel. Nicht vergangene Anschauungen sind zu verhandeln, sondern sein eigenes Geschick. Mit bloßer wissensmäßiger Kenntnisnahme ist daher nichts erreicht. Im Kraftfeld des Symbolischen geht es um lebendige Teilhabe, auch wenn ein bestimmtes mythisches Bild vor undenklichen Zeiten erstmals Bedeutung erlangt hat.

Als Symbol begriffen weist Heilige Hochzeit über sich hinaus. Echte Symbole verfügen über ein ungeahntes Potential an Lebendigkeit und Wirksamkeit. Sie bilden nicht ab; sie vergegenwärtigen vielmehr durch ihre Sinnbildlichkeit Sinn im Bild, eine mehrdimensionale Bedeutsamkeit im sinnenhaften Zeichen. Ohne dass hier Elementares über den in den weiteren Ausführungen verwendeten Symbolbegriff 1 gesagt werden soll, sei nur erinnert: Ein lebendiges Symbol ist geradezu bedeutungsträchtig. Bedeutungsvoll ist es, insofern es sich nicht auf eine so oder so zu definierende Eindeutigkeit eingrenzen lässt, wie wir sie etwa von einem Zeichen verlangen müssen, das einem alltäglichen Zweck dient (z.B. Verkehrszeichen, technische Markierungen o.a.). Statt nur einen Wink zu geben, in eine bestimmte Richtung zu weisen oder eine reflexartige Reaktion zu erzeugen, wie dies z. B. in der modernen Technik und im Nachrichtenwesen erforderlich ist, hat ein echtes Symbol eine qualitativ andere Funktion. Es steht für eine Tiefe, für Mehrdimensionalität und für eine Sinnfülle, die sich einer zureichenden Definition letztlich entzieht. Was zur Wesensbestimmung eines solchen Symbols gesagt werden kann, ist bestenfalls vorläufiger Natur. Wohl lassen sich verschiedene Aspekte oder Bedeutungsschichten benennen. Aber die eigentliche Sinnmitte eines echten Symbols bleibt unanschaulich. Gleichwohl ruft es zu immer neuer Vergegenwärtigung dessen auf, was symbolisch gemeint ist. Man denke nur an die vielen Symbolträger im religiösen Kultus wie Wasser, Brot, Wein usw. In kultischer oder meditativer Vergegenwärtigung erweisen sie Mal um Mal ihre spirituelle Kraft, und zwar unbeeinflusst von rationaler Kritik oder theologischer Exegese.

Wohl lassen sich Chiffren beschreiben, die auf ein Mysterium hindeuten, wie es die Heilige Hochzeit darstellt. Aber das Eigentliche - eben das Mysterium coniunctionis, das Geheimnis der Einswerdung - bleibt verborgen, jedenfalls für den um seine »Neutralität« und um Distanz bemühten bloßen Zuschauer. Anders als durch Initiation, 2 durch Vollzug und gestaltend empfangende Teilhabe ist kein Zugang möglich. Denn was ist - um einen Vergleich zu ziehen - die Beschreibung der Liebe gegenüber dem Akt des Liebens und des Geliebtwerdens! Hören wir auf Novalis' Hymne:

 Wenige wissen

Das Geheimnis der Liebe,

Fühlen Unersättlichkeit

Und ewigen Durst.

Des Abendmahls

Göttliche Bedeutung

Ist den irdischen Sinnen Rätsel...

 

Das ist die Sprache des Wissenden, der von sich sagen kann, dass ihm »das Auge aufging / Dass er des Himmels / Unergründliche Tiefe maß«. Es ist die Sprache dessen, der den erfüllten Augenblick erlebt hat, in dem ihm die Tiefendimension der Wirklichkeit wahrnehmbar geworden ist, die die Heilige Hochzeit umschließt. Als ein im Innersten Ergriffener, als ein Gewandelter legt der jugendliche Novalis von seinem Erleben Zeugnis ab.

Und soviel ist vorweg zu sagen: Von einem Mysterium coniunctionis und von Heiliger Hochzeit darf gesprochen werden, weil die hier gemeinte Vereinigung sich nicht auf der menschlichen Ebene der Ich-Du-Beziehung erschöpft. Immer ist das »ewige Du« (M. Buber) mit im Spiel. Und erst unter dem Ewigkeitsbezug wird die zwischenmenschliche Begegnung in ihrer Fülle erfahren oder doch zumindest geahnt, ersehnt.

Zwei Grunderfahrungen sind auf das engste mit dem Weg und Wesen des Menschen bzw. des Menschseins verknüpft: die eine hat damit zu tun, dass der Mensch weder mit sich noch mit seiner Mitwelt in Einklang lebt. Wir denken an die leidvollen Erfahrungen des Gegensätzlichen, des Widersprüchlichen und der Entfremdung, religiös gesprochen: der menschlichen Heilsbedürftigkeit. Auf der anderen Seite wird die Aufhebung dieses Unheilszustandes herbeigesehnt. Sie ist seit je Inbegriff der Menschheitshoffnung. Damit hängt das Verlangen nach Identität, nach Ganzheit und Harmonie zusammen. Denn so wie jeder einzelne seinen Selbstverlust überwinden möchte, so verlangt die Gemeinschaft der Menschen angesichts der tödlichen Bedrohung ihrer Existenz nach Frieden und nach einem Ausgleich der auf Selbstzerstörung ausgerichteten Gegensätze. Damit ist nicht etwa die Aufhebung jeglicher Unterschiede gemeint. Es bedarf der Leben schaffenden Polarität. Gemeint ist das Mysterium coniunctionis als ein Mysterium des Verbundenseins. Es steht unter einem weiten Spannungsbogen. Erreicht vom Geburtsschrei des Neugeborenen, der erst auf diesem Planeten heimisch werden will, bis hin zum Aufschrei des Gekreuzigten: »Es ist vollbracht!« - Ausruf letzter Erfüllung. Dieses Mysterium reicht aber auch von der innigen Umarmung und wechselseitigen geistig-seelisch-leiblichen Durchdringung zweier Liebender bis hin zu der sakramentalen oder mystischen Vereinigung, deren »göttliche Bedeutung« - wie Novalis sagt - »den irdischen Sinnen ein Rätsel« bleibt.

Das ist alles noch recht vorläufig und andeutend-ungefähr gesagt. Was es mit dem Geheimnis der Heiligen Hochzeit auf sich hat, wird sich erst zeigen, wenn wir dieses Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten umkreisen. Und nochmals: mit bloßer Kenntnisnahme von Sachverhalten oder Anschauungen ist noch recht wenig ausgerichtet:

"Es geht um lebendige Teilhabe an einem Mysterium."

 

 

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