Edition Pleroma
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Die Bruderschaft

der Rosenkreuzer

Die Originaltexte


herausgegeben
und eingeleitet
von
Gerhard Wehr
 
 

Edition Pleroma
  ISBN 978-3-939647-30-0
 
264 Seiten,
Hardcover, 12x19
€ 24,00

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Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden um die geheimnisumwitterten Rosenkreuzer, vieles ist Spekulation, anderes trifft den Kern. Die originalen Manifeste der Rosenkreuzer, die Johann Valentin Andreae zugeschrieben werden und von einem Collegium R.C. verfasst wurden, sind wie folgt benannt: Fama Fraternitatis (1614), Confessio Fraternitatis (1615) und Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreuz: Anno 1459 (1616). Sie wollen in erster Linie Dokumente eines nach Innerlichkeit strebenden Glaubens sein. Der bekannte Autor Gerhard Wehr führt in die Grundzüge der zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstandenen geistigen Bewegung unter dem Signum von Rose und Kreuz ein und präsentiert ihre Texte in unverstellter Gestalt, ergänzt um Goethes motivisch verwandtes Gedichtfragment »Die Geheimnisse«.


Über den Autor:

Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr lebt als freier Schriftsteller in Schwarzenbruck bei Nürnberg. Nach langjähriger Tätigkeit auf verschiedenen Feldern der Diakonie war er 1970 bis 1990 Lehrbeauftragter an der Diakonenschule (Fachakademie für Sozialpädagogik) Rummelsberg/Nürnberg. Von ihm liegen zahlreiche Studien zur neueren Geistesgeschichte vor, darunter Biographien über Martin Buber, C. G. Jung, Rudolf Steiner, Graf Dürckheim, Jean Gebser, Helena P. Blavatsky. Er ist Herausgeber zahlreicher Quellenwerke zur deutschen Mystik. Ein Großteil seiner Werke ist in mehrere europäische und asiatische Sprachen übersetzt.


Mit der Lektüre der drei Manifeste öffnen sich für Sie vielleicht in erstaunlicher Weise Pforten zu neuen Erkenntnissen. Oder Sie finden viele Inhalte wieder, die Ihnen auf Ihrem langen Weg durch Kirchen und Tempel bereits begegnet sind. Mag auch sein, es werfen sich neue, eigentümliche Fragen auf, und Sie werden zu einem Suchenden, dem die Allgemeinplätze landläufiger Meinungen nicht mehr ausreichen. Das Samenkorn der drei Schriften offenbart sich im Anfang der Fama Fraternitatis, denn sie richtet sich nicht an die breite Masse, sondern an die Häupter, Stände und Gelehrten Europas. Gemeint sind damit die Philosophen, die sich als Brüder untereinander austauschen. Lenken Sie Ihre Gedanken noch einmal auf den Beginn der Fama:


Wir, die Brüder der Fraternität R.C.,
entbieten allen und jedem,
die diese unsere Fama christlicher
Meinung lesen, unseren Gruß,
Liebe und Gebet.


Der christliche Schlüssel verdeutlicht, wie sehr alles Trachten der Rosenkreuzer auf die Erfahrbarkeit von Gottesnähe in der Nachfolge Jesu hinzielt. Mit dem Gruß macht die Bruderschaft auf sich aufmerksam, mit der Liebe wird das höchste Gut des Menschen angesprochen, und das Gebet besiegelt die Richtung, in der sich die Liebe entfalten soll. In der Folge wird die Gnade und Güte Gottes gepriesen, der in Seiner Barmherzigkeit Seelen in die Welt entsendet, die mit ihrer besonderen Gabe dazu beitragen, dass der Mensch seine himmlische Herkunft erkennen möge, seinen Adel und die Herrlichkeit seiner Seele. Er soll sich als Mikrokosmos begreifen, als kleines aus der höheren Ordnung geratenes Abbild des Unendlichen. Da die trägen Erdkräfte in Feindschaft zu jeder überirdischen Gesinnung stehen, müssen außerordentliche Wege gefunden werden, um den Transport erhabener Erkenntnisse aus dem Numinosen in das menschliche Bewusstsein zu ermöglichen. Aufgrund der stetig vermehrt einsetzenden Profanisierung aller Kultausübung ist es von Zeit zu Zeit erforderlich, eine Erneuerung des geistigen Strebens zu erwirken. Insofern liegt eine wunderbare Idee darin, in der Fama Fraternitatis die Entstehungsgeschichte eines hochlöblichen Ordens anhand des Lebens seines legendären Gründers aufzuzeigen. Die zweite Schrift, Confessio Fraternitatis, enthält die Ideologie der Civitas Dei, der platonischen Gottesbürgerschaft, wie sie in vielen Werken als Gleichnis geisterfüllter Innerlichkeit dargelegt ist. In der überaus symbolüberladenen dritten Abhandlung finden wir eine allegorische Beschreibung der Einweihungsmysterien. In den Metaphern der Chymischen Hochzeit erinnert sich der Kenner an die vielen Regungen seines Gemütes, die auch er auf seiner Wanderung von Grad zu Grad erfuhr. Alle drei Manifeste sind sehr geschickt konstruiert und formuliert. Die Fama, das Gerücht, erlaubt Bekanntmachung und Geheimhaltung zugleich. Wir erfahren, wie Christian Rosenkreuz, nachdem er in seinem Kloster Latein und Griechisch gelernt hat, einem Bruder mitgegeben wird, der mit ihm nach Jerusalem reisen möchte. Dieser Bruder stirbt jedoch auf der ersten Etappe. Aus der gemeinsamen Reise nach Jerusalem wird deshalb nichts. Hier sollten wir innehalten. Denn aus der Offenbarung des Johannes geht hervor, dass Jerusalem für einen Mystiker nicht eine Stadt in Israel ist, sondern ein seelischer Zustand von Frieden und Freiheit, der sich von oben her über ihn ergießt, sobald die Voraussetzung dafür erfüllt ist. Würde Christian Rosenkreuz dorthin reisen, bliebe er ein Tourist, der die Ruinen des alten Jerusalem besucht, ohne jemals zu erfahren, was Jerusalem in der Weisheit des Herzens bedeutet. Aber Christian Rosenkreuz verschwendet sein Herzblut nicht für die äußeren Sinnen, er vergießt es wie ein Pelikan, um damit seine Jungen zu nähren, seine nachfolgenden Brüder. Deshalb setzt er den Weg allein fort und gelangt nach Damaskus. Diese Stadt steht für die Metanoia, für die Umkehr des Saulus zum Paulus, und meint eigentlich die erste Unterweisung in der Vorhalle des Tempels. Dort gleiten die Schleier ein wenig von dem Geheimnis und geben den Blick frei auf das Heiligtum. Die Weisen empfehlen ihm, die Stadt Damcar aufzusuchen. Damcar symbolisiert die Synthese arabischen Geheimwissens und erfahrener Gottesnähe durch das Christentum. Beachten wir die Tragweite dieser Zusammenhänge. Die Seele des angehenden Rosenkreuzers muss bereits in Damaskus gewesen sein, bevor sie sich nach Damcar begibt. Hätte C.R.C. die Bewusstseinsstufe Damaskus nicht erreicht, könnte er über das Mysterium von Damcar nicht unterrichtet werden. Die Botschaft lautet hier, wer sich der Religion und ihrer Liturgie grundsätzlich enthält, den kann man nicht in höheres Erkennen einweihen, man muss ihn vorerst zurück nach Damaskus schicken, also in die Wertschätzung der äußeren Religion. In Damaskus befindet sich der Mensch gleichsam in dem Fischernetz des Petrus, das Rettung vor dem Widersacher der Finsternis bietet. Damcar gleicht dann einem Herausnehmen aus dem Netz Petri und einem Ankommen auf dem Pfad der Individuation, wie ihn der Apostel Johannes schildert. Damcar darf deshalb auch übersetzt werden mit Blut des Lammes. Nach Damcar zu kommen bedeutet, im Blut des Lammes gewaschen zu werden, eingeweiht zu werden in die subtilen Hintergründe des Christentums. In Damcar erfährt Christian Rosenkreuz seine wesentliche Initiation. Von den Hierophanten in Damcar lernt er, den Ablauf der Schöpfung prinzipiell in sich selbst zu erfassen und diesen rituell nachzuvollziehen. Eines Tages, von der langen Reise nach Hause gekommen, sucht er sich Gefährten und begründet einen Orden, in dem die Weisheit von Damaskus und Damcar derart systematisiert wird, dass ein Tempelgebäude entsteht, in das der Heilige Geist bereitwillig einzieht. Es manifestiert sich auch ein Kodex der Bruderschaft mit geistigen Grundregeln, die den Tod des legendären Gründers überleben. 120 Jahre später wird das Grabmal des C.R.C von den jüngeren Brüdern gefunden – und alles beginnt auf dem Fundament der siebeneckigen Grabkammer des Frater R.C. wieder neu. Die festgelegten Lehrsätze und überlieferten Symbole bleiben für alle Zeit ein Evangelium Veritatis, eine Frohe Botschaft der Wahrheit. Sie haben ihr Ziel erreicht, wenn wir zu folgender Erkenntnis gelangt sind.

Ein Mensch ohne Religion
bleibt ein Wanderer ohne Ziel,
ein Fragender ohne Antwort,
ein Ringender ohne Sieg
und ein Sterbender
ohne neues Leben.

 

Dom Hélder Câmara (1909-1999)
Erzbischof von Olinda
und Recife/Brasilien

Gabriele Quinque,

Frankfurt 2014

 

 

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